1400 Neuheiten sind 1392 Neuheiten zuviel – meine 8 Messe-Highlights.

In den Essener Messehallen sollen derzeit schon die ersten guten Seelen durch die Gegend laufen und ihre jeweiligen Stände aufbauen, bevor übermorgen diese schöne Ruhrgebietsstadt zum heiligsten aller Wallfahrtsorte mutiert: Die SPIEL 2018 steht an, die größte Brettspielmesse der Welt! Hunderte Verlage aus der ganzen Welt karren Spiele heran, Illustratoren und Autoren machen sich bereits auf dem Weg und auch die Besucher haben ihre Planungen meist schon Wochen im voraus verschriftlicht, mittels boardgamegeek.com und der App Event Badger ein Route Buildung optimiert. Wo kann ich wann entlanglaufen um möglichst unkompliziert meine gewünschten Titel abzuholen, anzuspielen und unterschreiben zu lassen? Machen wir uns nichts vor, die in diesem Jahr kolportierte Zahl von knapp 1.400 Messeneuheiten die in den letzten Tagen durch´s Internet geisterte ist eine gigantische Zahl. Eine geschönte zwar, aber das ist nicht so wild. Sicherlich wird die Zahl um einen Faktor X hochgerechnet indem Neuauflagen, Erweiterungspakete oder die verschiedenen Sprachfassungen immer wieder zusätzlichgezählt werden, aber selbst wenn es nur 1200, 1000 oder 500 seien sollten, so warten etliche Titel auf uns die wir vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Wie soll man da den Überblick behalten? Ich hab mir in diesem Jahr wieder vorgenommen erst einmal die Spiele automatisch auszulassen, die sowieso in wenigen Tagen oder Wochen im deutschen Brettspielhandel oder den allseitsbekannten Online-Shops zu finden seien werden. Warum verrückt machen für Stangenware? Stattdessen liegt mein Fokus wieder auf den kleinen, unentdeckten Perlen ohne großen Mainstream-Verlag im Hintergrund. Eventuell erleuchtert euch der ein oder andere Vorschlag ab kommenden Donnerstag ja die Entscheidung.

Turin Market (Jordan Draper Games)

Ich kann mir vorstellen dass ich mit diesem Titel noch richtig Glück gehabt haben könnte. Turin Market von Jordan Draper ist eines von mittlerweile viel zu vielen Spielen auf die ich dank meinem Lieblings-Youtube-Kanal Heavy Cardboard gestoßen bin. Ich hab wochenlang die entsprechende Internetseite besucht und wurde immer wieder vertröstet. Turin Market sei ein Kickstarter Projekt und erstmal würden natürlich nur die Backer ihre Exemplare erhalten. Als Nicht-Förderer schaute ich in die Röhre, immerzu in der Hoffnung am ersten Messetag möglichstfrüh die Hallen abklopfen um vielleicht doch noch ein freies Spiel zu erhalten., Am vergangenen Wochenende fand ich auf der Seite nun aber die Möglichkeit zum vorbestellen, Turin Market kann abgeholt werden. In dem kleinen Spiel mit der wunderschönen Tusche-Optik (alles handgezeichnet!!) geht es mit minimalem Material und maximalster Brutalität ums Versteigern von Gütern auf dem Turiner Markt.

The Estates (Capstone Games)

Noch ein Auktionsspiel, diesmal aber statt Minimalismus mit Opulenz und massivem Material – viel Holz wartet auf uns. Beim letzten Kickstarter aus dem Hause Capstone Games hat Verlagschef Clayton Ross sich eines deutschen Klassikers angenommen. Einst erschien The Estates von Klaus Zoch unter dem Titel Neue Heimat in seinem ehemaligen Chilli Verlag. Nun folgt die Neuauflage als crowd-gefördertes Projekt. Die Spieler konkurrieren um die Besitzrechte von Gebäuden in der Stadt, manipulieren diese Wertanlagen und lassen errichtete Luftschlösser wieder in Luft auflösen.

Symphony No. 9 (Moaideas)

Optik und Thema waren für mich schon Grund genug, nach MiniRails und Tulip Bubble auch dem neuesten Spross aus dem taiwanesischen Moaideas Verlag mein Vertrauen zu schenken. Die Spieler werden zu Patreonen der Kulturszene und nutzen ihre Gelder um Orchesterkonzerte zu veranstalten. Als Liebhaber von MiniRails und Tulip Bubble rechne ich auch hier wieder mit einem interaktiven „zwischendurch“-Wirtschaftsspiel welches Spielern gefällt die keinerlei Rücksicht auf ihre Gegner nehmen wollen.

Captains of the Gulf (Spielworxx)

Ich hab mich an ein oder anderer Stelle ja schonmal geoutet, aber ich liebe Uli Blennemann (platonisch). Sympathischer Kerl (Ruhrpott!), Klasse Musikgeschmack (Punkrock!!) und ein Auge für hervorragende Spiele. Nur ganz wenige Ausfälle verzeichnet sein Verlag Spielworxx, so dass ich auch Captains of the Gulf bestellt hatte, bevor ich mir überhaupt das Regelwerk durchgelesen hatte. Ich meine, Fischen gehen im Golf von Mexiko als Thema eines Eurogames von DEM Lieblingsverlag? Was will man da falsch machen?

18BL – Bergisches Land (Marflow Games)

Freudig zur Kenntnis genommen hab ich sowieso schon längst dass Lookout dieses Jahr eine Neuauflage von 1830 angekündigt hat, quasi dem absoluten Maßstab für alle Spiele der 18xx-Familie. Da ich diesen Titel noch in der uralten Avalon Hill Ausgabe mein Eigen nennen darf, verzichte ich auf die Neuauflage. Viel interessanter hingegen ist da noch was der Meerbuscher Kleinstverlag Marflow Games da mit nach Essen bringt. 18BL – Bergisches Land ist ein vielstündiges Eisenbahnspiel vor dem Hintergrund des beginnenden Eisenbahnzeitalters in der Region um Wuppertal. Diese Spiel basiert weitgehend auf den Regeln von 1830, hat jedoch eine Reihe von neuen Elementen, die es zu einem eigenständigen Spiel macht. Es werden Privatgesellschaften versteigert die alle eine spezifische Funktion haben und den Spielern erste Einnahmen generieren. Mit Hilfe ihres Privatvermögens können die Spieler dann die 8 Eisenbahnaktiengesellschaften eröffnen. Der jeweils größte Anteilseigner einer AG íst deren Direktor und lenkt die Geschäfte, kümmert sich um den Gleisausbau oder den Kauf von Eisenbahnen. 18Xx Spiele sind knallharte Wirtschaftssimulationen die sich nah an den Begebenheiten der damaligen Zeit richten, oft führen Fehler schon katastrophalen Auswirkungen..reizvoll, aber brutal und rücksichtslos.

MiniWW2 (Taiwan Boardgame Design)

Ich erwarte nicht viel, aber ein Mini-Wargame für vier Personen von einem taiwanesischen Verlag? Irgendwie schrillte da eine Neugierde in mir auf. Entweder wird’s genial oder grottig, ich denke nicht dass es da eine Grauzone geben wird. Es sieht auf jedenfall interessant aus, und ich mag auf ihre kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergekürzte kleine Spiele ja eh. Abwarten also was es wird.

Dice Hospital (Alley Cat Games)

Letztes Jahr hatte Daniel vom Blog Knopfspiele.de den weiten Weg aus Karlsruhe zur Messe auf sich genommen. Ich war froh einen so angenehmen Couchgast auf meinen Wohnmöbeln begrüßen zu dürfen. Neben unseren Besuchen der Messestände war der auf jedenfall voll damit ausgelastet, Dice Hospital von Alley Cat Games dem neugierigen Messepublikum zu präsentieren. Als Erklärbär ist der Mensch super, mit dem Spiel hab ich mich jedoch selbst noch kaum beschäftigt. Aber es sieht fantastisch aus, laut Daniel soll es ein angenehmes Familien-Dice-Placement-Spiel mit Würfelmanipulationen und einem Krankenhaus-Setting. Wird eingesteckt.

Railroad Rival (Forbidden Games)
Wem die oben erwähnte 18xx-Variante oder der Klassiker 1830 zu lange dauert, dem möchte ich einen kürzeren, kleineren Titel empfehlen der ein Eisenbahnspiel im Geiste ist ohne gleich mit der Brechstange daherzukommen. Ironischerweise bezeichnete ich Railroad Rivals mal als „das Kind, dass Francis G. Tresham [der 18xx Urvater] und Klaus-Jürgen Wrede zusammengezeugt hätten können“ – ein Plättchenlegespiel mit Investment-Faktoren. Irgendwie ein Eisenbahnspiel, nur etwas abstrakter.

Für die innig geliebten Autoren folgender Essen-Vorschauen verbürge ich mich außerdem:

Daniel von Knopfspiele.de:
Sabrina von meeplove.de:
Hilko von lidude.net
einfach alle Jungs bei muwins.ch
Andre und Marie von spielpunkt.net