Cottage Garden (Edition Spielwiese) – Das Schönste an der Gartenarbeit ist das Gießen

Das Schönste an der Gartenarbeit ist das Gießen“, hieß es bereits doppeldeutig im früheren Schrebergarten meines Vaters. Leider wahr, einen Grünen Daumen hab ich nämlich nicht…

Dass das Gärtnern zu einem der größten Hobbies des Durchschnittsbürgers gehört ist bei sommerlichen Temperaturen wie derzeit so sicher wie der Gartenzwerg am Rand eines Blumenbeetes. Zur Spielemesse 2016 in Essen, die Gartenarbeit ging langsam auf die Herbst- und Wintersaison zu, zeigte sich der neue Verlag „Edition Spielwiese“ mit dem Titel Cottage Garden von Uwe Rosenberg auf der Bildfläche und zog sowohl Aufmerksamkeit der Spielepresse als auch der Messeöffentlichkeit auf sich. Ein Debüt in Zusammenarbeit mit Uwe Rosenberg, dessen Name auch schon eng mit der Gründung anderer Kleinverlage (Lookout, Feuerland) verbunden war? Punktlandung in Sachen PR zum damaligen Zeitpunkt, wie mir schien.

Der Berliner Spieleverlag „Edition Spielwiese“ ging im Jahr 2016 auf die Spielwiese zurück, einem der ältesten Spieleverleiher und eines der ältesten Brettspielcafes in Deutschland, beheimatet im Szeneviertel Friedrichshain. Der Betreiber der Spielwiese, Michael Schmitt, erfülte sich mit der Gründung eines eigenen Spieleverlages einen kleinen Traum. Mit der Geschichte und dem Personal im Hintergrund wurde Cottage Garden zum Selbstläufer und entsprechend schnell war dann auch die Erstauflage verkauft. Well done!

Mit meiner Liebe sowohl für Uwe Rosenberg im allgemeinen als auch derselbigen für sein Ressourcen-Managament-Puzzle Patchwork im Hinterkopf hab ich mir damals noch vor Ort mein Exemplar erworben, Uwe Rosenberg in einem „Zwei Partien-gleichzeitig“-Showspiel gestört und mir mein Exemplar unterschreiben lassen.

Wie gesagt, die Erwartungen waren hoch. Die Verbindung zu Patchwork war schnell (zu schnell?) herangezogen – Cottage Garden entwickelte sich im Anschluss zu seiner Veröffentlichung zu einem Spiel welches ich auch tatsächlich immer recht schnell vorschlug um es in sämtlichen Konstellationen spielen zu können.

Im Gegensatz zum optisch ähnlichen Patchwork flachte Cottage Garden jedoch leider völlig ab. Klar, eines der Spielbestandteile in beiden Titeln waren unterschiedlich förmige Puzzle-Teile. Ging es bei Patchwork jedoch darum mit seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen (Knöpfe und Zeit) hauszuhalten, diese sinnvoll zu investieren um ein effektives Kosten/Nutzen-Ergebnis zu präsentieren, (viele Puzzleteile, viele Punkte) so wartete Cottage Garden nur mit verschiedenen Puzzle-Elementen auf.

Nach einem regeltechnisch festgelegten Muster wählt jeder Spieler frei aus einer zur Verfügung stehenden Auswahl von 2 – 4 Puzzleteilen sein gewünschtes aus um es auf einem von zweien seiner Ablageplänen abzulegen. Die Ablagepläne sind unterschiedlich gestaltet – und mit jedem komplettierten Ablageplan werden Punkte gezählt. Während des Spielens wandert ein W6-Würfel um die Auswahl der Puzzleteile und zeigt die aktuelle Runde an. Gespielt wird zuerst einmal jeweils bis der Würfel zum fünften mal das Feld umrundet hat – damit endet das Spiel aber noch nicht. Im Anschluss – in „Runde 6“ werden nur noch die bereits angefangenen Felder zu Ende befüllt, wer zu lange puzzelt erhält Minuspunkte – und am Ende gewinnt natürlich derjenige der am meisten Punkte gesammelt hat.

Ich weiß nicht ob man das unbedingt bemerkenswert nennen kann, aber interessant fand ich zumindest die vergleichsweise große Zielgruppe dieses Spiels. Cottage Garden ist zwar ein Puzzlespiel und richtete sich vorallem an Familien, erweckte aber auch in großen Teilen der Vielspieler einen Hype. Die Erwartungshaltung an einen Uwe Rosenberg-Titel waren enorm. Spielerisch bietet Cottage Garden auch tatsächlich den großen Vorteil dass beide Gruppen sicher problemlos miteinander / gegeneinanderspielen können. Was leider auch zugleich zu den Kritikpunkten führt.

Eine nennenswerte taktische Tiefe bietet Cottage Garden nämlich nicht. Selbst Im Spiel zu zweit finden wir keinen nennenswerten Duell-Charakter vor, vielfach puzzlet man halt so vor sich hin ohne die Züge des Gegners besonders beobachten zu müssen. Im Spiel mit drei oder gar vier Spielern wird die Auswahl der Puzzlestücke wiederrum so schnell so stark eingeschränkt dass sich die Möglichkeiten nahezu automatisch ergeben.

Hier wird für mich eines deutlich: Cottage Garden krankt in meinen Augen daran dass es sich offenbar überhaupt nicht entscheiden kann ob es sich nun an Vielspieler- oder Familienspieler richten möchte, ob es Taktisches Spiel oder Gemütlichkeit für sich beanspruchen will. Mir persönlich laufen die beschriebenen Zugmöglichkeiten in den ersten fünf Runden zu seicht und gleichförmig ab. In der sechsten Runde, die die Spieler schnellstmöglich zur Beendigung drängt, erfolgt anschließend jedoch ein totaler Bruch des gemütlichen Spielgefühls, ein Zeitdruck wird künstlich erzeugt der unnötig und deplatziert wirkt – und in einem Familienspiel fehl am Platz zu seien scheint. Alles für mich schon damals Indizien dafür dass es sich bei einigen Bestandteilen von Cottage Garden ursprünglich um für ein anderes Spiel gedachte Mechanismen gehandelt haben könnte.

Dem vorhin erwähnten Uwe Rosenberg-Autogramm auf meiner Spielschachtel verdankt Cottage Garden es jedoch dass es trotzdem niemals mein Spielregal verlassen wird. Unter anderem auch signierte Spiele haben bekanntlich einen Ehrenplatz in meinem Herzen. Bei Sonnenwetter greife ich allerdings im Zweifel dann doch lieber zur im allerersten Satz skizzierten Gartenarbeit – dem Gießen. Prost!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.