Das lange Strategiespielwochenende in Köln – Zu Gast bei der Wikipedia

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Seit dem letzten Wochenende weiß ich nun wirklich, was dieses alte Sprichwort so bedeutet. Die Reise: eine Fahrt nach Köln. Das Erlebnis: ein kräftezehrendes, anstrengendes und langes Wochenende mit Brettspielen. Die Protagonisten: mein Bruder, meine Schwägerin und Knopfpapa Daniel vom Knopfspiele.de-Blog. Als Antagonisten in der Hauptrolle jedoch unbestritten: eine Auswahl von vielstündigen.Strategiespielen, welche wir uns für dieses dreitägige Wochenende von Freitag bis Sonntag eingepackt hatten. Ich greife einem Fazit schon mal vor in dem ich beichte dass wir aus dieser Auswahl definitiv weniger gespielt haben als möglich gewesen wäre und die Eindrücke eines solchen Marathons trotzdem intensiver sind als ich mir je vorgestellt hätte.

Das sogenannte Lange Strategiespielewochenende im Kölner Lokal L – dem Anlaufpunkt für aktive Wikipedianer in der Domstadt – ging dabei aus einer Initiative meines Bruders und Achim Raschka hervor, welche sich beide aus ihrer gemeinsamen Tätigkeit in der Wikipedia kennen. Mittlerweile hat Achim seit über einem Jahr ein regelmäßiges Brettspielecafe etabliert. Neben dem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Dienstagstermin in der Hackländerstraße in Köln-Ehrenfeld, einem eigenen Messestand auf der SPIEL letztes Jahr, einem YouTube-Kanal und der eng verbundenen Facebookgruppe BrettspieleN.Köln macht vorallem eine Tatsache den Besuch empfehlenswert: Absolute Gastfreundschaft und Herzlichkeit, welche jedem entgegengebracht wird.

So stellte es auch nie ein Problem dar, an Spielpartner für seine Spiele zu kommen. Gespielt wurde über drei Tage daher einiges an Spielen:

Der Freitag begann mit Haspelknecht. Nach einer verheerenden Niederlage im letzten Jahr hat Daniel sich tapfer zurückerkämpft. Seine Köhler-Taktik ist, übrigens auch laut Boardgamegeek-Foren und dem Autoren selbst, deutlich überpowert und unbalanciert. Ich hab mich erkundigt, Thomas Spitzer selbst lässt diese mittlerweile draußen.

MiniRails, gerne von mir als Quintessenz eines 18xx-Eisenbahn-Investmentspiel bezeichnet,gehört zu den ganz großen Highlights des vergangenen Jahres. Gerade der Arschlochfaktor ist hier enorm hoch.

Gefolgt vom Krieg der Knöpfe wurde es gemütlicher, aber auch nur unwesentlich netter.
Dank des Wochenendes in Köln hat es Der Krieg der Knöpfe von Andreas Steding runter von meinem Pile of Shame geschafft – ein Würfel-Einsetz/Manipulationsspiel, basierend auf der weltberühmten Romanvorlage gleichen Namens. Es ist ein Ärgerspiel im gehobenen Familien- bis in den Kennerspielbereich hinein.

Ich war zuerst skeptisch aufgrund des lausigen Spielgefühles meines letzten Dice Placement-Spieles (Rajas of the Ganges), wurde aber eines besseren belehrt. In der Romanvorlage führen die Jungs aus verschiedenen Dörfern seid Ewigkeiten “Krieg“ gegeneinander – ein Gefühl welches im Spiel sehr schön abgebildet wird, in dem man die Mitspieler durch verschiedene Optionen überwürfelt oder für Würfelzahlen abstrafen kann oder sich die eigenen Würfelmöglichkeiten verbessert. Ich kann mir aber vorstellen dass der Spielspaß mit abnehmender Spielerzahl  ebenso abnimmt. Wir spielten zu viert.

Am Samstag wurden BUS (zu dritt) sowie Indonesia (zu viert) gespielt – zwei Titel aus dem Hause Splotter Spellen:

US ist ein konfrontatives Worker Placement-Programmierspiel. Jeder Spieler hat ~ 20 Aktionen im ganzen Spiel und es ist ihm selbst überlassen ob er alle auf einmal ausführt oder nach und nach. Wichtig ist es, den sich ständig verändernden Spielplan sowie die vermuteten Aktionen deiner Mitspieler im Auge hast und miteinbeziehst. Optisch: Spaßiges Kinderspiel. Thematisch: Programmieren von Buslinien in einer Stadt. Komplexität: Splotter 🙂

Eindrucksvoll, aber kein Spiel im eigentlichen Sinne: Ich gewann eine Partie BIOS: Genesis..mein Bruder steigt tatsächlich durch die Regeln und erklärt sie auch noch verständlich. Da konnten die Mitspieler nur staunen. Das ganze Ereignis dauerte 6 Stunden und wurde von einem Plattwurm entschieden welcher zum Leben erweckt wurde. Dabei stellt sich BIOS: Genesis in all seinem wissenschaftlichen Detailreichtum mehr als eine komplexe Simulation der biologischen Ereignisse dar, nicht als Spiel. Aber das schafft es sehr interessant.

Ein 2 Uhr-Nachts-Regelteaching LISBOA und ein großer Teil einer 1830-Partie wurden auch nur durch fünf Schlafstunden unterbrochen. Bis dann Sonntag Nachmittag leider Zeit wurde die Zelte abzubrechen und die Rückreise anzutreten.

Ich denke mir zwar immer ich wäre zu alt für so einen Scheiß und trotzdem sind’s die verrückten Dinge die am meisten Spaß bringen. Außerdem konnten wir den Luxus eines gebuchten Appartements nur 1min in entfernt vom Lokal nutzen. Warum die Wikipedia das tut? Der Verein versucht natürlich neue Aktive zu gewinnen und neue Artikel zu Brettspielen zu generieren. Alleine aus dank für die Freundlichkeit bin ich nun eh längst einen Artikel zu meinem Lieblingsspiel Haspelknecht schuldig. Der wird kommen, sicherlich noch bevor ich das.nächste mal eine Reise nach Köln antrete.

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