„…die Liebe zwischen Hund und Mensch, weder in Geld noch anderen Werten zu beschreiben…“

Rex, ein Schäferhundmischling – 12 Jahre alt. Der beste Freund des Menschen.

Anlässlich der Themenwoche Tiere in der Facebookgruppe Brettspielspaß entstand folgender persönlicher Bericht. Wir sehen: Ein Schlüsselanhänger, aus recht günstigem Plastik gefertigt. Innendrin ein Foto eines Schäferhundmischlings. Und die Geschichte dieses Fotos.Der obige Anhänger ist meiner. Neben dem Schäferhund gibt es noch eine Rückseite mit dem Bild eines Beagles. Einen solchen Schlüsselanhänger hatte ich letzte Woche auch meiner Mutter zum Muttertag geschenkt. Einen weiteren meiner Freundin – ihre beiden Hunde sind es übrigens auch die auf den Fotos zu sehen sind.  Die Fotos stammen von Nicky – und ich schulde dieser Fotografin, eine leidenschaftliche Carcassone-Spielerin, einen gehörigen Dank.

Diese Fotos sind keine Selbstverständlichkeit für mich. Generell dass ich eine Vertrautheit zu diesen beiden Hunden, Ella und Rex, aufgebaut habe ist keine Selbstverständlichkeit. Mein Kontakt zum Haustier Hund verlief jahrelang eigentlich eher distanziert. In meiner Kindheit aufgewachsen mit Goldhamstern, Wellensittichen und zuletzt einer Katze hatte ich zuvor eigentlich nie mit den durch den Menschen domestizierten Wölfen zu tun – im Gegenteil: Ich erinnere mich noch als die Mutter meines besten Freundes ihm nahezulegen versuchte dass ich schlechter Umgang für ihn wäre. Der Grund: Schließlich würde mich der Haushund der Familie nicht mögen, es müsse also ja irgendwas mit mir nicht stimmen. Mein Alltag war ein gegenseitiges kritisches Beäugen zwischen zwei skeptischen Lebewesen. Ich konnte mit Hunden nichts anfangen, die Hunde – äußerst intelligente und feinfühlige Lebewesen – bemerkten meine Unsicherheit und waren mir gegenüber natürlich skeptisch. Win-Win sieht anders aus.

Vor nun über zwei Jahren lernte ich meine Freundin kennen. Der erste Besuch bei ihr, damals im April 2016, verlief nach altbekanntem Muster. Ich stand zwei leicht chaotischen, kritischen Augenpaaren gegenüber die jedes neue Lebewesen im Haushalt erst einmal als potentielle Gefahr betrachten. Rex, der damals 10 jährige Schäferhundmischling als „Herr des Hauses“ natürlich an vorderster Front, seine kleine und nicht weniger vorlaute Freundin Ella mit ihren 8 Jahren aber nicht weniger aufmüpfig. Es dauerte einige Zeit bis wir uns miteinander vertrugen. Heute sind Rex, Ella und ich ein Team – wir alle mit Ecken und Kanten, aber irgendwie arrangieren wir uns miteinander. Bei Rex geht die Vertrautheit und Zuneigung mir gegenüber mittlerweile soweit dass er mich eigentlich selten aus den Augen lässt und am liebsten ständig hinter mir her spaziert, unbedingt an meiner Seite liegen oder mit mir ins Bad gehen will. Leicht schräg, aber ich sagte doch, wir haben alle unsere Ecken und Kanten.

Vorletztes Jahr wollte ich meiner Freundin, die ihre Hunde natürlich über alles liebt, ein besonderes Weihnachtsgeschenk für sich und die beiden Tiere machen. Ein Tierfotoshooting sollte es werden. Ich stieß auf mehrere Tierfotografen aus meiner Umgebung und beschäftigte mich mit ihren Werken und den Möglichkeiten. Das Besondere am Fotografieren von Tieren ist, dass man es mit der nötigen Kenntnis und Erfahrung sehr überzeugend schaffen kann, den Charakter eines Tieres abzubilden. Umso interessierter war ich mehr über die Motivation der jeweiligen Fotografen zu erfahren. Wichtig war mir, dass ich persönlich auf einer menschlichen Ebene mit ihnen harmonieren würde. So gesehen vertraue ich einem Fotografen drei meiner liebsten Lebewesen an. Drei liebevolle Lebewesen die einem Fotografen ihre Ecken und Kanten, ihren ganzen Charakter offenbaren. Aus dieser Perspektive, mit dieser Skepsis fiel es umso schwerer mit den Fotografen auf einen Nenner zu kommen. Spätestens beim persönlichen Kennenlernen reichten mir die Eindrücke um „Nein“ zu sagen. Ziemlich frustrierend.

Kurz nach einem solchen Frustrationsmoment lernte ich in der Facebookgruppe Brettspielspaß Marc kennen – Marc ist ehemaliger Bergwerker und wollte als Mann vom Fach unbedingt mein Lieblingsbrettspiel Haspelknecht einmal kennenlernen. Da Marc nicht allzuweit von mir entfernt wohnt verabredeten wir uns zum Spieleabend. Im Rahmen dessen führte dann ein Zufall zum anderen. Marc und seine Frau Nicky sind Hundebesitzer, sie ist leidenschaftliche Hobbytierfotografin und alle zusammen waren wir auf dem gewünschten gemeinsamen Nenner. Sehr spontan, und doch überzeugt, fiel meine Wahl auf Nicky, sie sollte das Fotoshooting mit Ella, Rex und meiner Freundin führen. Die leidenschaftliche Carcassone- und Azul-Spielerin fotografiert zwar wie der Name ihrer Facebookseite Foto-NiKa Hobbyfotografin schon verrät „nur“ auf Hobbybasis, trotzdem bewundere ich sie auch jetzt noch für ihre Aufopferungsbereitschaft – voller Eifer macht sie aus dem Hobby nahezu einen Fulltime-Job.

Schon Tage im voraus planten wir gemeinsam die Art der Motive, versuchte sie in Gesprächen mit mir mehr über das Wesen der beiden Hunde zu erfahren, über die eventuellen Sorgen meiner Freundin als Frauchen und mir als Begleiter. Dabei erkundigte sie sich nach Dingen die mir selbst nie im Leben im Rahmen eines Fotoshootings in den Sinn gekommen wären – in der Denkweise eines Hundebesitzers aber wiederrum komplett Sinn ergeben haben. Wir trafen uns letztlich also wie vereinbart an einem Samstag Anfang Mai, früh morgens im Essener Grugapark.

Der Grugapark, das Gelände der Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung aus dem Jahr 1929 beherbergte mit seiner Fläche von knapp 65 Hektar ein wunderschönes Szenario für ein Fotoshooting mit zwei quietschlebendigen Hunden – die Gruga ist aufgrund ihrer Nähe zum Essener Messegelände unter uns Brettspielern sicher auch mitunter vom Hörensagen bekannt. Im dreistündigen Fotoshooting merkte man Nicky und ihre Vorbereitung auf unseren Ausflug an. Schon im vornherein hatte sie mit der Parkleitung abgeklärt dass wir möglichst früh, noch vor den samstäglichen Besuchermassen, in den Park können um die Hunde nicht komplett zu verschrecken. Auch kannte sie sich bereits hervorragend auf dem Gelände aus, machte uns eifrig Vorschläge zu möglichen Motiven, ließ uns, bzw. hauptsächlich meiner Freundin, aber auch genug Raum für eigene Ideen. Schließlich müssen die Hunde sich wohl fühlen, müssen wir den Charakter der Hunde auf den Motiven wiederfinden. Das geht natürlich nicht wenn sie uns alles diktiert.

Jetzt ist der Charakter der beiden Hundis wie erwähnt teilweise recht chaotisch und Ella und Rex von perfekt dressierten Vierbeinern soweit entfernt wie der Hund vom Wolf: Ansätze sind erkennbar, letztlich aber doch was vollkommen anderes. So haben beide ihren eigenen Willen und ziemliche Dickschädel. Mit jeder Menge Engelsgeduld und Eifer ließ sich Nicky dennoch nicht beirren. Gerade in den stressigeren Momenten, (Rex löst sich und geht baden, Rex sieht eine Wildgans und versucht zu jagen, Ella will unbedingt etwas futtern…) bemerkte man die vollkommene Ruhe der Fotografin, ihr Verständnis für diese Tiere, vorallem aber ihre eigene Liebe zu Hunden. Sie hatte die ganzen drei Stunden sowohl einen Draht zu den Tieren als auch zu uns, fütterte uns mit Vorschlägen und Inspirationen – und die Hundis natürlich auch mal zur Belohnung mit Leckerchen. Dabei machten die beiden es uns allen nicht einfach. Mal streckte der eine lieber seinen Allerwertesten in die Kamera, mal wollte jemand partout nicht auf die heraushängende Zunge – – es war aber auch einfach ein warmer Tag, das muss man zugeben – verzichten. Trotzdem bewerkstelligten wir gemeinsam das gesamte Shooting mit großem Erfolg. Ich bin mehr als begeistert über das was Nicky alles aus den Aufnahmen gezaubert hat.  Ich schaue auch jetzt noch immer eigentlich fast jeden Tag mit Stolz auf die Fotos unseres Shootings, ich zeige sie herum und schwärme über diesen Tag. Gerade wenn ich meinen Schlüssel wieder in der Hand habe zum Beispiel.

Dann nämlich sehe ich nicht mehr einen Schlüsselanhänger, aus recht günstigem Plastik, gekauft für 1,99 Euro im örtlichen Kaufland, einen 20 Cent teuren Ausdruck eines Fotos eingelegt. Dann sehe ich die leidenschaftliche Hobbyfotografin Nicky. Aber vorallem sehe ich dass die Liebe zwischen Hund und Mensch weder in Geld noch anderen materiellen Werten zu beschreiben ist. Eine Liebe, die ich nach zwei Jahren zu Gast-sein in einem Hundehaushalt so langsam erahnen kann.

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