„Kohle & Stahl“ von Manuel Uzelmaier (brettspielelabor.de)

„Kohle & Stahl“ ist der Prototyp eines Spieles von Manuel Uzelmaier – ein Herzensding für mich, mich dieses Themas anzunehmen.

Letztes Jahr, es war gerade die Messe SPIEL in Essen und gefühlt die komplette Brettspielwelt war in den Messehallen unterwegs, lernte ich Manuel kennen. Also so richtig kennen, persönlich, mit Sehen und Hallo sagen. Virtuell kannte ich ihn schon vorher, aber beim weltgrößten Meet & Greet trifft man zum Glück auch die Leute, die man aufgrund mehrerer hundert Kilometer Entfernung sonst nie trifft. Manuel ist einer davon. Der Freiburger wird von mir sehr geschätzt als einer der Hauptakteure hinter dem Podcast- und Blogprojekt Brettspielelabor.de, welches er mit seinem Partner in Crime Jonas und dem Spieleautoren Andreas Odenthal führt – einem Spieleautoren-Blog rund um die Entwicklung von Brett- und Kartenspielen.

Mit ein Grund für unser Treffen war damals auch sein zu der Zeit in Arbeit befindliches Brettspiel „Kohle & Stahl“ – für mich als von Kohle-und-Bergbau faszinierten Brettspieler ein gefundenes Fressen, also dachte er direkt auch an mich und überreichte mir den damals aktuellsten Prototypen. In Kohle & Stahl ist jeder der zwei bis vier Spieler der Direktor eines Unternehmens im Zeitalter der Industrialisierung. Neben der Produktion von Waren wie Kohle, Stahl oder Nahrung muss mit dem Verkauf dieser Güter Geld verdient werden. Mit dem Geld können Industriegebäude gekauft werden. Außerdem sollen die Spieler ein Schienennetz ausbauen um verschiedene Bahnhöfe erschließen zu können. Die höchste Anzahl der angeschlossenen Bahnhöfe stellt dann auch die Siegbedingung dar.

Gesteuert wird Kohle & Stahl hauptsächlich über das Ausspielen von Karten, aus welchen in den verschiedensten Variationen das Spielmaterial zum größten Teil auch besteht. Zusätzlich bilden drei Karten auch das Ablagetableau, auf welchem die jeweiligen im Vorrat befindlichen Ressourcen eines Spielers angezeigt werden. Neben den vier verschiedenfarbigen Ressourcenwürfeln im Warenlager zeigt das Tableau den Beginn eines Schienennetzes auf der einen und Landwirtschafts-, Verwalter- und Fabriksymbole auf der anderen Seite. Die Ressourcen werden genutzt um sie zu verkaufen, die Landwirtschafts-, Verwalter- und Fabriksymbole beeinflussen die Produktion und den Handel des Spielers.

Jeder Spieler erhält zu Beginn drei solcher Aktionskarten auf die Hand. Drei weitere dieser Aktionskarten sind zufällig in der Mitte ausgelegt. In seinem Zug spielt der aktive Spieler eine Karte von seiner Hand aus und legt sie auf einen der drei Stapel. Dabei sind die Aktionskarten auf eine interessante Art aufgebaut: Jede dieser Karten hat einen Haupteffekt und einen Nebeneffekt, beim Ausspielen darf der Spieler frei entscheiden welchen der beiden Effekte er nutzt. Zusätzlich darf er den Nebeneffekt einer der beiden anderen noch offen sichtbaren Aktionskarten für sich nutzen. Wer am Zug ist und keine der Aktionskarten ausspielen kann oder möchte, darf sich einen der gebildeten Ablagestapel auf die Hand nehmen und dessen Karten nun als neue Aktionsmöglichkeiten auf die Hand nehmen.

Die jeweiligen Effekte auf den Karten steuern das Spiel, darunter stehen Aktionen wie das Erzeugen von Rohstoffen, der Handel mit diesen oder das Kaufen von Produktionsgebäuden zur Verfügung – Zum Kaufen und Bauen kommt das durch Handeln erworbene Geld zum Einsatz. Außerdem wird mit dem Geld die wichtigste Aktion bezahlt: Das Ausbauen seines Schienennetzes. Die Anzahl der Produktionsgebäude erhöht die Ressourcen die bei einer Aktion entstehen, die Anzahl der Verwalter verringert zu bezahlende Kosten. Das grüne Symbol im Beispielfoto zeigt die Landwirtschaftsproduktion an, die Industrie wird in rot, die Verwalter in blau dargestellt. 

Es gibt einige Sonderpunkte, auf die ich aber gar nicht weiter eingehen möchte, ich denke dass die Grundzüge des Spieles recht klar geworden sind.

Allerdings ist Kohle & Stahl auch ein eher simpel gehaltenes Card Drafting und Hand Management Spiel. Ich mag die Optik, Manuel hat einen optisch recht stimmungsvollen Prototypen angefertigt. Das Thema Kohle und Stahl, die Industrialisierung, der Ausbau von Eisenbahnen triggern bei mir ja auch eigentlich sofort. Diese Themenpunkte kommen in dem spielfähigen Prototypen jedoch überhaupt nicht zur Geltung. Von meinen Testspielern wurde ebenso bemängelt dass die Vielzahl der Aktionsmöglichkeiten die Spannung aus dem Spiel nimmt. Es gibt, egal für welche Aktionen man sich entscheidet, immer genug offene Optionen auszuführen. Dies nimmt die Spannung und den Optimierungsreiz aus dem Spiel. Wünschenswert wären deutlich größere Auswirkungen durch die Aktionen gewesen. So plätschert das Spiel in den ~ 45 Minuten vor sich hin, da auch gefühlt keinerlei Interaktion mit den anderen Spielern stattfindet. Sinnvoll wäre es hier vielleicht, dass die Spieler gemeinsam an einem Bahnschienenplan arbeiten um dort die Pläne der Kontrahenten zu durchkreuzen, die gespielten Karten auch negative Auswirkungen haben oder konfrontativ eingesetzt werden können. Anstatt Bahnhöfe anzuschließen könnte es stattdessen darum gehen diese auf einer gemeinsamen Karte zu bauen. Außerdem wird eine unübersichtliche Farbgebung zwischen den Produktionsgebäuden und ihren Ressourcen kritisiert. Mehr Übersichtlichkeit wurde sich auch generell für die Aktionskarten gewünscht. Auf der Hand aufgefächert ist nicht sofort ersichtlich, was für Karten man auf der Hand hält. Eine kurze, knappe Symbolik in den Ecken der Karten würde dort bereits Aushilfe schaffen.

Gerne stehe ich für eventuelle weitere Testpartien aber natürlich gerne zur Verfügung. Vielleicht fallen euch ja noch ein paar Ideen ein wie man Kohle & Stahl noch optimieren könnte. Ansonsten findet ihr weitere Kontaktmöglichkeiten zu Kohle & Stahl natürlich in Manuel´s brettspielelabor.de

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