The Ruhr, Die Ruhrschifffahrt und das Ruhrgebiet

Kein Baudenkmal, keine Industriebrache und kein historischer Wanderweg kann für die Region Ruhrgebiet diesen besonderen Stellenwert einnehmen wie es ihr Namensgeber tut – die Ruhr. Mit einer Länge von über 200km quer durch das Rheinland, dem Pott, dem Sauerland bis ins Rothaargebirge bei Winterberg blickt dieser Fluss nicht nur auf eine nun fast eintausendjährige Vergangenheit als Transportweg zurück, nein. Gerade die Zeit zwischen dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem kompletten 19. Jahrhundert gilt aus Sicht des kohleabbauenden Ruhrgebietes als eine der prägenderen Jahre.

2012 veröffentlichte Thomas Spitzer als Autor ein strategisches Brettspiel im Spielworxx-Verlag, welches sich genau mit diesen Jahren beschäftigen sollte: In „Ruhrschifffahrt 1769 – 1890“ organisiert jeder der Spieler den Transport von Kohle aus den Zechen rund um die Ruhr, um Industrien und Lagerorte in Städten wie Essen, Werden, Kettwig, Steele oder Hattingen. Über den Hafen Ruhrort im heutigen Duisburg wird die Ware ins Rheinland, die Niederlande oder nach Belgien exportiert.  Erfüllte Aufträge erhöhen die Möglichkeiten eines jeden Spielers, generieren Geld und Siegpunkte. Mechanisch ist die Ruhrschifffahrt nach meinem ersten Eindruck zwar der schwächste Teil aus Thomas Spitzer’s Kohle-Trilogie (Ruhrschifffahrt, Kohle & Kolonie, Haspelknecht), ist thematisch dafür aber eine absolut tolle und überzeugende Sache. Sprich: Man merkt dem Frühwerk Ruhrschifffahrt auch in seiner überarbeiteten, englischsprachigen Neuauflage The Ruhr, welche wir gespielt haben, noch eine damalige Unerfahrenheit des Autoren an, glänzt jedoch mit historischen Ereignissen des Kohletransportes welche eng mit den Spielmechanismen verknüpft sind. So erlebt der Spieler im Laufe seiner Partie den kompletten geschichtlichen Abriss der Kohleschifffahrt, durchlebt den steten Wandel über Pferdewege, Straßen und dem Transport über die Schienen – und dem gleichzeitigen Auslaufen der letzten Kohleschiffe. Da steckt die Liebe im Detail. Spielerisch handelt es sich hier um ein Pick Up/Deliver-Worker Placement mit im Laufe des Spiels stetig wachsenden Bonus-Fähigkeiten – ein typischer Kniff von Thomas Spitzer. The Ruhr spielte sich zu zweit sehr gleichförmig, so als wären die Möglichkeiten zu sehr vom Spiel vorgegeben und würden nur durch einige wenige Zufallsmomente beeinflusst werden. Möglicherweise bedarf es aber auch einfach mehr als zwei Spielern? Das gilt es mal zu überprüfen, das Spiel lag eh viel zu lange ungespielt bei mir herum, wird also Zeit es immer mal wieder auf den Tisch zu bringen.

Trotz Schwächen im Spiel zu Zweit: Das Thema gewinnt bei mir, umso besser also dass die einst auf 500 Exemplaren limitierte Erstausgabe im letzten Jahr vom US-Verlag Capstone neuveröffentlicht wurde – also für euch, ich besitze ja zum Glück eh beide Ausgaben.