Weimar – Der Kampf um die Demokratie (Matthias Cramer)

“Habt ihr Lust die Geschichte der Weimarer Republik nachzuspielen?“ – Matthias Cramer, Autor von Klassikern wie Glen More, Kraftwagen oder Lancaster, nutzt die Zeit des langsam ausklingenden Jahres intensiv für Arbeiten an einem seiner aktuellen Prototypen.

Erstmalig öffentlich erwähnt hatte er “Weimar – Kampf um die Demokratie“ bereits im Frühjahr 2018, mittlerweile hat sich der US-Strategiespielverlag Compass Games die Rechte an diesem hochinteressanten Titel gesichert und für 2019 angekündigt.

Durchaus leicht zu erraten wo der Kontakt zwischen dem Autoren, welcher eigentlich die größten Erfolge mit Euro-lastigen Spielen vorzuweisen hat und dem US-Verlag herkommt. Uli Blennemann, Spielworxx-Chef und Compass-Brand Manager sind beide “nebenbei“ große Freunde historisch-geprägter Wargames, Konfliktsimulationen und dem Card Driven Genre. Ein solches kartengetriebenes Strategiespiel soll WEIMAR auch werden, eines für exakt vier Personen welche sich auf die unterschiedlichen Parteien der Zeit aufteilen. Nun also diese Frage. Hatten wir Lust? Ja!

Zu viert spielten wir gestern auch zusammen mit Matthias das noch rohe Machwerk, welches sich am Ende im Bereich der vier bis sechs Stunden Spielzeit aufhalten soll.

Jeder der Spieler startet zu Beginn mit einem eigenen Kartendeck welches sich auf historische Ereignisse seiner politischen Linie beziehen. Die vier Parteien (das Zentrum, die KPD, die SPD und die Deutschnationale Volkspartei) haben also alle ihre eigenen Karten, welche, ganz klassisch, als Ereignis oder als Operationspunkte (OPs) gespielt werden können.

Zusätzlich erhält jeder Spieler pro Runde noch zwei allgemeine Karten deren Ereignisse ausgespielt werden müssen. Das können Punktewertungen sein, Ereignisse oder Gesetzesvorschläge über welche im Parlament beratschlagt wird. Um die Wertungskarten und die Gesetzesänderungen zu beeinflussen werden hauptsächlich die OPs verwendet. Mit Hilfe dieser wird auf einem Debattenraster die Meinung und das Ergebnis dieser “Diskussion“ beeinflusst. Dieses ist so gestaltet dass durchaus auch innerhalb der Parteien Bündnisse gebildet oder wieder gelöst werden können um einen gemeinsamen Kompromiss zu finden.

Die Feder ist zwar meist mächtiger als das Schwert, dennoch haben vor allem die Parteien auf den äußeren Rändern des politischen Spektrums die Möglichkeit den Kampf auf der Straße zu suchen. Während die Kommunisten versuchen ihre Arbeiter in verschiedenen Städten der jungen Republik aufzuhetzen nutzen die Deutschnationalen Freikorps durch die Straßen um Jagd auf den politischen Gegner zu machen. Die Regierungsparteien haben genug damit zu tun mit Hilfe der Polizei und der Reichswehr für Ruhe zu Sorgen und die Aufständischen zu besänftigen. Die OPs sorgen in diesem Fall als Motor für Streiks, Demonstrationen, Putschversuchen oder den offenen Kampf – alles Zustände, die die Stabilität der Weimarer Republik bedrohen, aber den einzelnen Fraktionen durchaus dienlich seien können und vor allem zu Punkten verhelfen und vorallem dazu dienen, die Mehrheiten des Parlamentes zu erlangen.

Jede Spielrunde endet nämlich durch eine neue Konstituierung des Parlamentes. Die Parteien versuchen eine gemeinsame Koalition zu erhalten und eine möglichst stabile Regierungspartei zu bilden. Im Laufe des Spiels besteht dazu durch zusätzlich eingemischt Karten die große Gefahr der sich immer weiter ausbreitenden NSDAP welche an Macht gewinnt.

Der Prototyp ist auf einem höchst interessanten Weg. Matthias Cramer sammelte aber noch etliche Verbesserungen, Möglichkeiten zur Überarbeitung und Vorschläge, gerade was die Austarierung von Kosten / Nutzen angeht. Zum Abschluss hatte Matthias noch eine weitere interessante Frage: “Hattet ihr das Gefühl die Weimarer Republik nachzuspielen?“ – und auch diese Frage kann mit einem Ja beantwortet werden. Das es eines Tages auf ein Tauziehen und ein Kompromisse finden hinauslaufen wird um den Wunsch nach Demokratie zu erfüllen, dass der randalierende Mob in den Straßen der Republik zu einer Gefahr für die Regierungsparteien und des bürgerlichen Spektrums wird ist nachzuvollziehen und dass die Parteien versuchen mit aller Kraft das Volk auf seine Seite zu ziehen ist auch stimmig umgesetzt. Die konstante Bedrohung der erstarkenden Nazis kann man auch bereits erahnen. Alles wichtige Aspekte die man bereits jetzt sieht. Ich bin gespannt wie es hier weitergeht.